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Folge 23: Crazy Ex-Girlfriend

 

FSK 16

 

Heute stell ich euch mal wieder eine dieser Serien vor, die vom Titel und der Prämisse her viele abschrecken könnte, die es aber definitiv wert ist, dass man ihr eine faire Chance gibt: Crazy Ex-Girlfriend. Eine Show über eine nicht perfekte Frau, mentale Krankheiten und Musicalnummern.

 

Rebecca Bunch ist eine erfolgreiche Anwältin in New York, die gerade ihre Traumbeförderung erhalten hat. Doch aus irgendeinem Grund macht sie das nicht glücklich. Durch die Hilfe einer Butterwerbung und einem zufälligen Zusammenstoßen mit ihrer Jugendliebe Josh beschließt Rebecca, ihr ganzes Leben über den Haufen zu werfen und ihm nach West Covina zu folgen, um endlich (mit Josh) glücklich zu werden. Doch das ist nicht so einfach wie sie gedacht hat, vor allem da ihr vermeintlicher Traummann eine scheinbar perfekte Freundin hat. Vor Ort muss sie sich auch erstmal auf ihr neues Leben und die dort wartenden Herausforderungen einstellen – und das geht am besten, wenn man darüber singt!

 

Auf den ersten Blick hat die Serie viele Eigenschaften, die abschreckend wirken: eine meiner Freundinnen wollte ihr keine Chance geben, da sie den Titel viel zu sexistisch fand (natürlich eine bewusste Entscheidung), ein anderer dachte, dass es sich hierbei im Grunde um eine erwachsene Disney-Serie oder Glee handelt, in der alle Charaktere willkürlich anfangen zu singen und zu tanzen (er hatte nicht ganz Unrecht). Beide Personen haben den ersten paar Episoden jedoch eine Chance gegeben und waren dann doch tatsächlich begeistert. Denn auch wenn Crazy Ex-Girlfriend zu Beginn tatsächlich crazy wirkt, hat die Serie doch einen unvergleichlichen Charme und Suchtfaktor. Doch woran liegt das?

 

Die Charaktere sind auf der einen Seite absolut unrealistisch, aber gleichzeitig kann man sich doch irgendwie mit ihnen identifizieren: Rebecca Bunch (gespielt von einer der Macherinnen, Rachel Bloom) handelt irrational und ist in vielen Momenten wirklich nicht sympathisch (z.B. wenn sie versucht Josh seiner Freundin auszuspannen). Und doch leidet man mit ihr durch jeden Herzschmerz und möchte das sie glücklich ist. Valencia, Joshs Freundin, ist zu Beginn die stereotypische, oberflächliche, perfekte Freundin, die sehr fies zu Rebecca ist. Zum Ende der Serie wurde sie dann zu einem meiner Lieblingscharaktere. Ähnlich verhält es sich eigentlich mit jedem anderen Charakter. Die Figuren sind weder schwarz noch weiß, sie bewegen sich durchgehend in einer grauen Zone – ein sehr menschlicher Zustand.

 

Ein weiterer Pluspunkt ist die Inklusivität der Serie: Rebecca ist zwar eine weiße Frau, aber gleichzeitig hat sie Probleme mit ihrer mentalen Gesundheit und ist teilweise unzufrieden mit ihrer Figur, da sie nicht „dünn“ ist (sie entspricht aber dennoch einer „normalen“ Frau – nur halt nicht im Hollywood-Sinne). Sie ist zudem jüdisch, was auch mehrfach in der Serie thematisiert wird. Zusätzlich gibt es mehrere Latinx und asiatische, sowie homosexuelle und bisexuelle (Haupt-)Charaktere, die nicht als Punchingball behandelt werden oder nur aufgrund dieser Eigenschaft überhaupt vorkommen.

 

Ok, kommen wir endlich zu dem absoluten Alleinstellungsmerkmal der Serie: die Musik. Jede Folge von Crazy Ex-Girlfriend hat mehrere Songs, die sich genau wie in einem Musical oder einem Disney-Film perfekt in die Handlung einfügen und tiefergehende Gefühle und Motive der Charaktere aufgreifen. Anders als bei Glee handelt es sich hier jedoch nicht um Cover, sondern die Serie hat eigene, auf die Szene maßgeschneiderte Songs – auch wenn einige Hommagen an bekannten Lieder sind (z.B. „What’ll It Be“ erinnert schon sehr an „Piano Man“ von Billy Joel). Einige Schauspieler*innen sind auch traditionell als Sänger*innen ausgebildet, weshalb die Qualität der Songs zumeist sehr hoch ist. Das wird unterstützt von der hohen visuellen Produktion. Thematisch decken die Songs eine große Vielfalt an verschiedenen Themen ab, was zu sehr … interessanten Ohrwürmern führen kann: von Blasenentzündungen („I Gave you an UTI“) bis hin zu Dreiecksbeziehungen („The Math of Love Triangles“) ist hier alles dabei. Hier sind ein paar weitere Beispiele von Liedern:

  • Who’s The New Guy” – das Lied ist nicht besonders catchy, aber ich mag es, weil es sehr meta ist

 

Ein weiterer Grund, warum Crazy Ex-Girlfriend funktioniert und einen so mitreißt, ist die Tatsache, dass die Serie – trotz all der verrückten Songs und den überzeichneten Charaktere – unglaublich ehrlich und realistisch ist. Ich leide nicht an Depressionen oder habe eine bipolare Störung, doch mir wurde von mehreren Freunden berichtet, dass diese Serie eine sehr akkurate Darstellung bietet. Und selbst wenn man keine oder andere mentale Probleme hat, so leidet man doch sehr mit den Charakteren und ist tief berührt von ihren Erfahrungen. Es gibt einige Szenen in dieser Show, die einen hart in die emotionale Magengrube treffen. Doch auch wenn es manchmal schwierig ist, diese Szenen zu sehen, glaube ich doch, dass es für jede*n Zuschauer*in eine wertvolle Erfahrung darstellt.

Gleichzeitig geht die Serie auch sehr offen damit um, was es bedeutet, eine Frau zu sein und thematisiert auch die unschönen Seiten, die oft in Serien nicht gezeigt werden. Das bezieht sich sowohl auf körperliche Erfahrungen („Sexy Getting Ready Song“; „Heavy Boobs“) und soziale Erfahrungen („Put Yourself First“; „Women Gotta Stick Together“).

 

Crazy Ex-Girlfriend ist ein wilder Ritt: in der einen Sekunde lacht man noch über die witzigen und cleveren Dialoge oder summt einen Song mit, im nächsten Moment schlägt die Serie einem die Realitätskeule um die Ohren und man landet auf den Boden der Tatsachen. Hierbei handelt es sich um eine tiefe, ehrliche und abwechslungsreiche Serie, von der die Zuschauer*innen noch einiges lernen können.

 

Hier findet ihr ein paar Videos, die sich noch einmal eingehender mit der Serie beschäftigen (Spoilerwarnung):

 

Hier findet ihr den Trailer!

Die Serie ist auf Netflix verfügbar.

 

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