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Folge 27: Sei lieb - bete und gehorche

 

 

FSK 16

Trigger Warnung: Erwähnungen von Vergewaltigung von Frauen und minderjährigen Mädchen

 

“So Warren Jeffs took over this religion with thousands of loyal followers, and he manipulated their beliefs and turned it into money and power and sex. And they ended up following right of the cliff.”

 

Dass Religion einen hohen Stellenwert in den USA einnimmt, ist nichts Neues. Eine christliche Religion, die dort entstanden ist und viele Anhänger hat, ist die mormonische Kirche. Die vierteilige Dokumentationsreihe Sei lieb – bete und gehorche deckt auf, wie eine Splittergruppe dieser Kirche unter die Kontrolle eines einzigen Mannes gelangen konnte und wie dieser seine Macht besonders bei jungen Frauen und Mädchen missbrauchte.

 

Die Serie besteht aus vier Episoden, von der jede zwischen 45 und 50 Minuten lang ist. Die Folgen sind chronologisch und geben einen guten Einblick darin, wie Warren Jeffs diese Macht erlangen konnte und wie alles am Ende zu seinem Niedergang führte.

Teil 1 gibt einen guten Überblick über die mormonische Splittergruppe FLDS, ihre Sicht auf Polygamie und Frauen und wie Warren Jeffs sich den Tod seines Vaters, dem angeblichen Propheten, zu Nutze machte, um selbst der mächtigste Mann seiner Kirche zu werden.

Teil 2 dokumentiert, wie Warren strikte Regeln durchsetzte und potenzielle Kritiker degradierte. Zudem erzählen zwei Frauen, wie sie gezwungen wurden, Männer zu heirateten, obwohl sie noch nicht volljährig waren.

Teil 3 beginnt damit, dass Warren Jeffs sich eine eigene Festung, genannt „Zion“, in Texas errichtet, da die Polizei und die Presse auf seine Machenschaften aufmerksam geworden sind. Dann beginnt er damit, vor allem junge Mädchen nach Zion zu schaffen. Als eine junge Frau schließlich Hilfe bei der Polizei sucht, flieht Warren.

Teil 4 erzählt von der Verhaftung von Warren Jeffs, der Durchsuchung von Zion und den grausamen Wahrheiten, die dadurch ans Tageslicht kamen.

 

FLDS steht für Fundamentalist Church of Jesus Christ of Latter-Day Saints, eine fundamentalistische Splittergruppe, die sich von der mormonischen Kirche trennte, da diese Polygamie verboten hatte. Polygamie ist nämlich ein essentieller Bestandteil des FLDS Gospel:

 

We were taught from birth that in order to what they called, “the highest degree” of the celestial kingdom, you had to have at least three wives while you lived on earth. […] If you were able to reach the highest degree you will be able to create spirit children. You’ll be able to create worlds, galaxies, universes. Basically become a god.

 

Doch Polygamie war und ist in den USA illegal, weshalb die FLDS sich immer mehr in den Schatten zurückzog, wo dann allerlei illegale und verwerfliche Dinge passierten:

 

I think my most people in Utah, the mainstream Mormons, people like me, see polygamy as an embarrassment. But polygamy is really not the problem anyway. It’s the secondary crimes that occur in a closed religious society controlled by men. That’s when all sorts of mischief can take place. And that’s what happened with the FLDS. – Roger Hoole (attorney)

 

Vor dem Schauen sollte man sich als Zuschauer*in bewusst sein, dass es sich hierbei um eine ziemlich düstere Dokumentation handelt, denn es werden religiöse Unterdrückung sowie sexuelle Gewalt diskutiert und teilweise auch beschrieben. Ich finde besonders die letzte Folge sehr schwer zu schauen, da in dieser all die Grausamkeiten, die Warren Jeffs jungen Mädchen angetan hat, ans Licht kommen. 

 

Die Serie benutzt viel Videomaterial und Fotos, die die Erzählungen begleiten. Dadurch entsteht bei den Zuschauer*innen fast das Gefühl, dabei gewesen zu sein und macht die Schilderungen umso eindrücklicher. Wenn es kein Videomaterial gibt, so werden einige Szenen durch Schauspieler*innen nachgestellt, um den Zuschauer*innen das Ganze noch einmal emotional näher zu bringen. Das wird zusätzlich davon unterstützt, dass die Personen selbst ihre Geschichten erzählen können – obwohl man sich hier natürlich bewusst sein muss, dass sie einen befangenen Blick auf das Vergangene haben. Ich glaube auch, dass es eine gute Entscheidung war, das Ganze in vier Teilen zu erzählen, anstatt eine zweistündige Dokumentation zu machen, da die Geschichte viele Facetten und somit viele Opfer hat. Auch die Länge der einzelnen Episoden fand ich sehr gut, da dieses schwere Thema schnell überwältigend sein kann.

 

Ich habe kaum etwas an der Dokumentation auszusetzen, außer, dass ich den Schnitt manchmal etwas zu dramatisch fand. Nicht genug, um das Dokumentierte ins Lächerliche zu ziehen, aber doch schon so, dass es mir aufgefallen ist (was es eigentlich nicht sollte). Auch könnte man Sei lieb eine gewisse Einseitigkeit vorwerfen, doch das gilt für fast jede Doku und besonders bei diesem Thema hätte es mich eher überrascht, wenn sie aktive Mitglieder der FLDS gefunden hätten, die bereitwillig vor der Kamera ihre Version der Geschichte wiedergeben.

 

Bei Sei lieb – bete und gehorche handelt es sich um eine enthüllende und eindrückliche Dokumentation, die die psychische und sexuelle Gewalt einer mormonischen Splittergruppe ans Licht bringt. Aufgrund des schwierigen Themas rate ich zur Vorsicht, doch glaube ich gleichzeitig, dass es sich hierbei um eine starke und ergreifende Geschichte handelt.

 

Hier ist der Trailer.

Die ganze Dokumentation könnt ihr auf Netflix schauen.

 

Falls ihr die Doku geschaut habt, dann könnten diese Videos einen neuen, beziehungsweise erweiterten Einblick auf das Ganze geben:

 

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